Evidenz: Was zum Nutzen der professionellen Zahnreinigung belegt ist
Zum Nutzen der professionellen Zahnreinigung gibt es drei aktuelle Positionen, und sie beantworten die Frage unterschiedlich. Die Bundeszahnärztekammer schreibt „Die PZR beugt Karies und Parodontitis vor“ und stützt das auf Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (Stand Juli 2024). Das IQWiG kommt zu dem Ergebnis, dass ein besserer Schutz vor Karies, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis gegenüber der von den Kassen bezahlten Zahnsteinentfernung nicht eindeutig beurteilbar ist (Stand 23. August 2023). Cochrane fand 2018 bei Erwachsenen ohne schwere Parodontitis über zwei bis drei Jahre wenig bis keinen Unterschied bei Zahnfleischentzündung, Sondierungstiefen und Lebensqualität, jeweils mit hoher Ergebnissicherheit, dazu eine kleine Verringerung des Zahnsteins, deren klinische Bedeutung die Autoren als unklar bezeichnen. Der IGeL-Monitor hat die Behandlung zu keinem Zeitpunkt positiv bewertet: 2012 lautete seine Bewertung „unklar“, und seit dem 26. Mai 2026 veröffentlicht er dazu einen Infotext ohne Nutzen-Schaden-Bewertung. Diese Seite stellt alle Angaben nebeneinander, weil jede eine andere Frage beantwortet. Zwei Unterscheidungen tragen dabei die ganze Aussage: Die untersuchte Gruppe bei Cochrane sind Erwachsene ohne schwere Parodontitis und nicht parodontal gesunde Erwachsene, und ein fehlender Nutzennachweis ist nicht der Nachweis, dass eine Behandlung nicht nutzt.
Vier Stellen haben sich geäußert, und sie sagen nicht dasselbe. Die Tabellen geben den entscheidenden Satz jeweils im Original wieder, dazu die untersuchte Gruppe, die Ergebnissicherheit und das Datum, das die Quelle selbst nennt.
Stand:
| Stelle | Der entscheidende Satz im Wortlaut | Grundlage | Stand |
|---|---|---|---|
| Bundeszahnärztekammer | „Die PZR beugt Karies und Parodontitis vor. Die Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V, 2016) belegen die positiven Mundgesundheitseffekte einer regelmäßigen Inanspruchnahme der PZR.“ Die einzige Abschwächung folgt im selben Absatz: „Die Ergebnisse legen nahe, dass sich präventive Maßnahmen wie die PZR positiv auf die Mundgesundheit auswirken.“ | Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie, Erhebungszeitraum 2014. Eine Querschnittserhebung ohne Kontrollgruppe. | Juli 2024 |
| IQWiG | „Derzeit lässt sich nicht eindeutig beurteilen, ob eine professionelle Zahnreinigung besser vor Karies, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis schützt als die von den Kassen bezahlte Zahnsteinentfernung.“ | Der Abschnitt „Ist eine professionelle Zahnreinigung zur Vorbeugung sinnvoll?“ besteht aus genau diesem einen Satz. Vergleichsmaßstab ist allein die von den Kassen bezahlte Zahnsteinentfernung. | 23. August 2023 |
| Cochrane Oral Health | „We found little or no difference between groups over a two- to three-year period for gingivitis, probing depths, oral health-related quality of life (all high-certainty evidence) and plaque (low-certainty evidence).“ | Zwei randomisierte Studien mit 1.711 Erwachsenen ohne schwere Parodontitis in allgemeinzahnärztlichen Praxen in Großbritannien, verglichen mit einer Behandlung ohne festen Reinigungsplan. | 27. Dezember 2018 |
| IGeL-Monitor | „Als zahnmedizinische Leistung zählt sie aber nicht zu den selbst zu zahlenden Individuellen Gesundheitsleitungen (IGeL), die der IGeL-Monitor bewertet. Deshalb hat der IGeL-Monitor den Nutzen und Schaden der PZR nicht bewertet.“ | Keine Nutzen-Schaden-Bewertung. 2012 lautete die Bewertung „unklar“, ausdrücklich für Erwachsene ohne Parodontitis. | 26. Mai 2026 |
Die vier Angaben stehen hier nebeneinander und werden nicht zu einer Aussage verrechnet. Sie beantworten verschiedene Fragen: die erste, ob regelmäßige Behandlung mit besseren Messwerten einhergeht; die zweite, ob die Behandlung besser schützt als die Leistung der gesetzlichen Krankenkasse; die dritte, ob ein fester Reinigungsplan besser ist als eine Behandlung nach Bedarf. Ein Satz, der die drei miteinander versöhnt, stünde in keiner der Quellen. Der Vorbehalt zur Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie in der dritten Spalte ist eine Eigenschaft ihres Studiendesigns: Eine Querschnittserhebung vergleicht Gruppen zu einem Zeitpunkt und kann eine Ursache nicht von einer Begleiterscheinung trennen. Die Wörter Querschnitt, Beobachtungsdaten und Ursache kommen im Nutzenabschnitt der Bundeszahnärztekammer nicht vor. Der Tippfehler „Gesundheitsleitungen“ in der vierten Zeile steht so im Original.
| Messgröße | Mit regelmäßiger PZR | Ohne regelmäßige PZR | Bezugsgröße |
|---|---|---|---|
| Karieserfahrung | 10,7 Zähne | 11,4 Zähne | Zähne mit Karieserfahrung je Person, in der Logik des DMFT-Index. Nicht die Zahl kariöser Zähne. |
| Sondierungstiefen ab 4 Millimetern | 9,3 Prozent | 14,0 Prozent | Anteil der Zahnflächen. Nicht der Anteil der Personen mit solchen Taschen. |
| Zahnfleischbluten | 20,2 Prozent | 29,3 Prozent | Anteil der Messstellen mit Blutung auf Sondierung, in der Studie als BOP geführt. |
Verglichen werden Erwachsene mit und ohne regelmäßige professionelle Zahnreinigung in den vergangenen fünf Jahren. Was die Zahlen aussagen, entscheiden ihre Bezugsgrößen, und die gehen in der Wiedergabe regelmäßig verloren. Quelle laut Bundeszahnärztekammer: Institut der Deutschen Zahnärzte (Hrsg.), Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie, Deutscher Zahnärzte-Verlag, Köln 2016, Erhebungszeitraum 2014. Dieselben sechs Zahlen stehen wörtlich in zwei unabhängigen Texten der Bundeszahnärztekammer, im Positionspapier von Juli 2024 und in der Kurzbewertung vom 24. April 2019, und die Population ist in beiden gleich beschrieben: „Erwachsene, die innerhalb der vergangenen 5 Jahre regelmäßig eine PZR erhalten haben.“ Beim Institut der Deutschen Zahnärzte selbst sind die Zahlen nicht nachgeschlagen, weshalb sie hier der Bundeszahnärztekammer zugeschrieben sind. Menschen, die eine solche Behandlung regelmäßig in Anspruch nehmen, können sich auch in anderer Hinsicht von denen unterscheiden, die das nicht tun.
| Endpunkt | Befund gegenüber einer Behandlung ohne festen Plan | Ergebnissicherheit |
|---|---|---|
| Zahnfleischentzündung | wenig bis kein Unterschied | hoch |
| Sondierungstiefen | wenig bis kein Unterschied | hoch |
| Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität | wenig bis kein Unterschied | hoch |
| Plaque | wenig bis kein Unterschied | niedrig |
| Zahnstein | kleine Verringerung durch den festen Reinigungsplan; die klinische Bedeutung dieser Reduktion nennen die Autoren unklar | hoch |
| Selbst berichtete Sauberkeit der Zähne | höher mit festem Reinigungsplan | niedrig |
| Kosten | unsicher | sehr niedrig |
| Unerwünschte Wirkungen, Attachmentlevel, Zahnverlust, Mundgeruch | nicht gemessen, im Wortlaut der Autoren: „Neither study measured adverse effects, changes in attachment level, tooth loss or halitosis.“ | keine Angabe möglich |
Die Ergebnissicherheit sagt, wie verlässlich der Befund ist, und nicht, wie groß der Effekt ist: „hoch“ bei „wenig bis kein Unterschied“ heißt, dass weitere Studien daran wahrscheinlich nichts ändern. Verglichen wurde ein fester Reinigungsplan im Abstand von sechs oder zwölf Monaten mit einer Behandlung, die nur erfolgte, wenn die Praxis sie für nötig hielt oder die Patientin sie verlangte. Die Beobachtungszeit betrug in einer der beiden Studien 24 Monate, in der anderen 36. Zum Vergleich zwischen Zahnärztin und Prophylaxefachkraft nennt der Review kein Ergebnis: „No studies evaluated this comparison.“ Die untersuchte Leistung ist nicht identisch mit der professionellen Zahnreinigung in Deutschland, denn eine Mundhygieneinstruktion war zugelassen und nicht verpflichtend („with or without oral hygiene instruction“), und eine Fluoridierung war nicht obligater Bestandteil. Genau darauf zielt der Einwand der Bundeszahnärztekammer vom 24. April 2019: „Denn die im Abstract beschriebene PZR-Definition entspricht nicht dem Umfang einer PZR, die in deutschen Zahnarztpraxen angeboten wird.“ Dieselbe Stellungnahme unterstützt ausdrücklich die Forderung der Review-Autoren, als nächstes Studien an Menschen durchzuführen, die bereits unter Zahnfleischentzündungen leiden. Drei der vier Autoren waren an einer der beiden eingeschlossenen Studien beteiligt und gehören der Redaktion von Cochrane Oral Health an; nach eigener Angabe waren sie nicht an der Datenextraktion oder der Bias-Bewertung dieser Studie beteiligt. Ein zweiter, häufig damit verwechselter Cochrane-Review vom 14. Oktober 2020 misst die Abstände zwischen zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen und nicht die professionelle Zahnreinigung.
| Stand | Was veröffentlicht wurde | Für welche Gruppe |
|---|---|---|
| 12. Oktober 2012 | Bewertung „unklar“, begründet damit, dass weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf einen Schaden gesehen wurden. Aussagekräftige Studien zu der Frage, ob die Behandlung die Zahngesundheit positiv beeinflusst, nennt die Mitteilung keine. | Erwachsene ohne Parodontitis |
| 26. Mai 2026 | Infotext ohne Nutzen-Schaden-Bewertung. Keine der fünf Bewertungsstufen ist auf der Seite gesetzt; im Seitentitel steht statt einer Bewertung, dass der IGeL-Monitor zur professionellen Zahnreinigung informiert. | Nicht eingeschränkt, denn die Seite bewertet nicht |
Ob die Bewertung von 2012 zurückgenommen wurde, sagt keine der beiden Seiten; die Pressemitteilung von 2012 steht unverändert online. Die Begründung für den heutigen Stand ist eine begriffliche: In der Zahnmedizin heißen solche Leistungen privatzahnärztlich und nicht IGeL, weshalb sie nicht zu dem gehören, was der IGeL-Monitor bewertet. Das Feld „Letzte Aktualisierung“ der Infoseite ist leer, „Erstellt am“ nennt den 26. Mai 2026. Eine positive Bewertung hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Die im Netz verbreitete Behauptung, der IGeL-Monitor habe die professionelle Zahnreinigung positiv bewertet, trifft nicht zu; beide Stände stehen oben in dieser Tabelle. Die zweite Hälfte derselben Behauptung, die Bundeszahnärztekammer befürworte die Behandlung, trifft dagegen zu und ist bei der Bundeszahnärztekammer selbst belegt; sie steht in der ersten Zeile der obersten Tabelle.
| Leitlinie | Was sie zur professionellen Zahnreinigung sagt | Fassung und Register |
|---|---|---|
| „Diabetes und Parodontitis“, DG PARO, DDG und DGZMK | Empfiehlt Personen mit Diabetes eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung. | Langversion 2.0, 2024, AWMF 083-015 |
| „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen, grundlegende Empfehlungen“, DGZ und DGZMK | Enthält keine Empfehlung zur professionellen Zahnreinigung. | Langfassung 2.0, 2025, AWMF 083-021 |
| „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“ | Befindet sich in Überarbeitung. | S3-Leitlinie |
Der IGeL-Monitor fasst die Lage in seinem Fazit so zusammen: „Eine allgemeine Leitlinienempfehlung zur PZR gibt es nicht; allerdings wird sie Personen mit Diabetes empfohlen.“ Diese Übersicht gibt wieder, wie er die Leitlinienlage referiert; die Registernummern und die Fassungen nennt er selbst.
Was die zahnärztlichen Körperschaften sagen
Wie beurteilen die zahnärztlichen Körperschaften den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung?
Auch gefragt: Wie beurteilen die Fachgesellschaften den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung? · Ist der Nutzen einer professionellen Zahnreinigung belegt? · Was sagt die Bundeszahnärztekammer zum Nutzen der professionellen Zahnreinigung?
Zum Nutzen der professionellen Zahnreinigung äußert sich von den zahnärztlichen Körperschaften die Bundeszahnärztekammer, und ihr Urteil ist positiv. In ihrer Position von Juli 2024 schreibt sie: „Die PZR beugt Karies und Parodontitis vor.“ Sie ist die Standesorganisation der Zahnärzte, also des Berufsstands, der diese Behandlung anbietet und abrechnet, und keine unabhängige Bewertungsstelle. Als Belege nennt sie ausschließlich Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie zu Erwachsenen, die in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig eine solche Behandlung erhalten haben: 10,7 gegenüber 11,4 Zähnen mit Karieserfahrung, 9,3 gegenüber 14,0 Prozent der Zahnflächen mit Sondierungstiefen ab 4 Millimetern und 20,2 gegenüber 29,3 Prozent Zahnfleischbluten. Im selben Absatz steht ihre eigene Abschwächung: „Die Ergebnisse legen nahe, dass sich präventive Maßnahmen wie die PZR positiv auf die Mundgesundheit auswirken.“ Diese Studie ist eine Querschnittserhebung; sie vergleicht Gruppen zu einem Zeitpunkt und trennt eine Ursache nicht von einer Begleiterscheinung. Bei den Fachgesellschaften, die die Leitlinien verantworten, ist die Lage schmaler. Die Leitlinie „Diabetes und Parodontitis“ von DG PARO, DDG und DGZMK aus dem Jahr 2024, im AWMF-Register unter 083-015, empfiehlt Menschen mit Diabetes eine regelmäßige Behandlung; die S3-Leitlinie zur Kariesprävention bei bleibenden Zähnen von 2025, Register 083-021, enthält dazu keine Empfehlung.
- Quellen
- Bundeszahnärztekammer, Position zur professionellen Zahnreinigung
- Bundeszahnärztekammer, Kurzbewertung zum Cochrane-Review, abgedruckt in den Zahnärztlichen Mitteilungen
- IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund, Informationstext zur professionellen Zahnreinigung
Warum ist die professionelle Zahnreinigung umstritten?
Auch gefragt: Ist eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll oder Geldmacherei? · Warum gehen die Aussagen zum Nutzen einer professionellen Zahnreinigung auseinander?
Umstritten ist die professionelle Zahnreinigung, weil drei maßgebliche Stellen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und dabei verschiedene Fragen stellen. Die Bundeszahnärztekammer stützt sich auf Beobachtungsdaten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie und nennt die Behandlung einen zentralen und erwiesenermaßen wirksamen Prophylaxebaustein (24. April 2019). Das IQWiG kommt zu dem Ergebnis, dass ein Vorteil gegenüber der von den Kassen bezahlten Zahnsteinentfernung nicht eindeutig beurteilbar ist (23. August 2023). Cochrane hat 2018 etwas anderes untersucht, nämlich einen festen Reinigungsplan gegenüber einer Behandlung nach Bedarf, und fand bei Erwachsenen ohne schwere Parodontitis mit hoher Ergebnissicherheit wenig bis keinen Unterschied bei Zahnfleischentzündung, Sondierungstiefen und Lebensqualität. Genau daran setzt der Einwand der Bundeszahnärztekammer an. Die dort untersuchte Leistung entspreche nicht dem Umfang einer PZR in Deutschland, zu der auch Beratung, Unterweisung, Instruktion und Remotivation gehören. Dieselbe Stellungnahme unterstützt ausdrücklich die Forderung der Review-Autoren nach Studien an Menschen, die bereits unter Zahnfleischentzündungen leiden.
- Quellen
- Bundeszahnärztekammer, Kurzbewertung zum Cochrane-Review, abgedruckt in den Zahnärztlichen Mitteilungen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Vor- und Nachteile der professionellen Zahnreinigung
- Cochrane Oral Health, systematischer Review zur routinemäßigen Zahnreinigung mit Politur bei Erwachsenen
Was die Evidenzbewertungen sagen
Wie schneidet eine professionelle Zahnreinigung gegenüber der Zahnsteinentfernung der gesetzlichen Krankenkasse ab?
Auch gefragt: Wie schneidet eine professionelle Zahnreinigung gegenüber der Zahnsteinentfernung der Kasse ab? · Ist eine professionelle Zahnreinigung besser als die Zahnsteinentfernung der Krankenkasse?
Zum Vergleich der professionellen Zahnreinigung mit der Zahnsteinentfernung der gesetzlichen Krankenkasse gibt es genau eine Aussage einer unabhängigen Bewertungsstelle. Das IQWiG kommt zu dem Ergebnis, dass ein besserer Schutz vor Karies, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis gegenüber der von den Kassen bezahlten Zahnsteinentfernung nicht eindeutig beurteilbar ist (Stand 23. August 2023). Der Bezugspunkt ist dabei allein diese Kassenleistung und nicht die häusliche Mundhygiene. Bezahlt wird von der Kasse das Entfernen harter Zahnbeläge nach Nummer 107 des Bewertungsmaßstabs für zahnärztliche Leistungen, einmal pro Kalenderjahr (Stand 1. Januar 2026). Deckungsgleich sind die beiden Leistungen nicht. Die professionelle Zahnreinigung nach Nummer 1040 der Gebührenordnung für Zahnärzte umfasst zusätzlich die Reinigung der Zahnzwischenräume, das Entfernen des Biofilms, die Oberflächenpolitur und geeignete Fluoridierungsmaßnahmen.
- Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Vor- und Nachteile der professionellen Zahnreinigung
- Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Nummern 01, 107 und 107a
- Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Gebührenverzeichnis und Bemessungsvorschriften
Was sagt Cochrane zur professionellen Zahnreinigung?
Auch gefragt: Was hat der Cochrane-Review zur professionellen Zahnreinigung ergeben? · Welche Studien gibt es zur professionellen Zahnreinigung?
Cochrane hat zur routinemäßigen Zahnreinigung mit Politur am 27. Dezember 2018 einen systematischen Review veröffentlicht. Eingeschlossen waren zwei randomisierte Studien mit 1.711 Erwachsenen ohne schwere Parodontitis, die regelmäßig zu zahnärztlichen Terminen erschienen, aus allgemeinzahnärztlichen Praxen in Großbritannien; verglichen wurde ein fester Reinigungsplan mit einer Behandlung, die nur auf Einschätzung der Praxis oder auf Wunsch der Patientin erfolgte. Über zwei bis drei Jahre fanden die Autoren mit hoher Ergebnissicherheit wenig bis keinen Unterschied bei Zahnfleischentzündung, Sondierungstiefen und mundgesundheitsbezogener Lebensqualität; für Plaque gilt derselbe Befund mit niedriger Ergebnissicherheit. Beim Zahnstein zeigte sich dagegen eine Verringerung durch den festen Plan, ebenfalls mit hoher Ergebnissicherheit, und die klinische Bedeutung dieser kleinen Reduktion nennen die Autoren selbst unklar. Das eigene Sauberkeitsempfinden der Teilnehmenden war mit festem Plan höher, hier mit niedriger Ergebnissicherheit. Unerwünschte Wirkungen, Attachmentlevel, Zahnverlust und Mundgeruch hat keine der beiden Studien gemessen. Die untersuchte Leistung ist nicht identisch mit der professionellen Zahnreinigung in Deutschland, denn eine Mundhygieneinstruktion war zugelassen und nicht verpflichtend.
- Quellen
- Cochrane Oral Health, systematischer Review zur routinemäßigen Zahnreinigung mit Politur bei Erwachsenen
Der IGeL-Monitor
Hat der IGeL-Monitor die professionelle Zahnreinigung positiv bewertet?
Auch gefragt: Hat der IGeL-Monitor die PZR positiv bewertet? · Wie bewertet der IGeL-Monitor die professionelle Zahnreinigung? · Ist die professionelle Zahnreinigung eine IGeL-Leistung?
Nein, eine positive Bewertung der professionellen Zahnreinigung durch den IGeL-Monitor hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. 2012 bewertete er die Leistung für Erwachsene ohne Parodontitis mit „unklar“ und begründete das damit, dass er weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf einen Schaden sah. Seit dem 26. Mai 2026 veröffentlicht der IGeL-Monitor dazu einen Infotext ohne Nutzen-Schaden-Bewertung, und die Begründung steht auf der Seite selbst: „Als zahnmedizinische Leistung zählt sie aber nicht zu den selbst zu zahlenden Individuellen Gesundheitsleitungen (IGeL), die der IGeL-Monitor bewertet.“ Der Grund ist ein begrifflicher, denn in der Zahnmedizin heißen solche Leistungen privatzahnärztlich. Keine der fünf Bewertungsstufen ist auf der aktuellen Seite gesetzt. Im Fazit derselben Seite steht außerdem: „Eine allgemeine Leitlinienempfehlung zur PZR gibt es nicht; allerdings wird sie Personen mit Diabetes empfohlen.“ Die Behauptung, es habe eine positive Bewertung gegeben, ist im Netz verbreitet und trifft nicht zu.
- Quellen
- IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund, Informationstext zur professionellen Zahnreinigung
- IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund, Pressemitteilungen zur professionellen Zahnreinigung
Risiken und Grenzen
Welche Folgen einer professionellen Zahnreinigung für den Zahnschmelz sind untersucht?
Auch gefragt: Kann eine professionelle Zahnreinigung den Zahnschmelz schädigen? · Ist eine professionelle Zahnreinigung schädlich für die Zähne? · Können Zähne bei einer Zahnreinigung beschädigt werden?
Zum Zahnschmelz nach einer professionellen Zahnreinigung gibt es keine Langzeituntersuchung. Das IQWiG schreibt, dass langfristige unerwünschte Wirkungen bisher nicht untersucht sind, und nennt als offene Fragen ausdrücklich, ob die Zähne mit der Zeit empfindlicher werden und ob die Zahnoberfläche oder das Zahnfleisch Schaden nimmt (Stand 23. August 2023). Der Cochrane-Review von 2018 hat unerwünschte Wirkungen in keiner der beiden eingeschlossenen Studien erhoben. Belegt sind damit nur die kurzfristigen Begleiterscheinungen. Das IQWiG nennt ein unangenehmes Gefühl, vor allem bei freiliegenden Zahnhälsen, sowie Zahnfleischbluten, wenn das Zahnfleisch bereits gereizt oder entzündet ist; bei besonders empfindlichen Zähnen kann vorab eine Betäubungsspritze gegeben werden. Die Bundeszahnärztekammer schreibt, Komplikationen während oder nach der Behandlung kämen sehr selten vor, und nennt als Abschluss der Sitzung ein fluoridhaltiges Gel oder einen fluoridhaltigen Lack, der den Zahnschmelz schützen und härten soll (Juli 2024).
- Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Vor- und Nachteile der professionellen Zahnreinigung
- Cochrane Oral Health, systematischer Review zur routinemäßigen Zahnreinigung mit Politur bei Erwachsenen
- Bundeszahnärztekammer, Position zur professionellen Zahnreinigung
Was ist über den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung bei Parodontitis bekannt?
Auch gefragt: Ist eine professionelle Zahnreinigung bei Parodontitis sinnvoll? · Was ist über den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung bei Parodontose bekannt?
Zum Nutzen einer professionellen Zahnreinigung bei Parodontitis ist die Studienlage dünn, und die Bewertungsstellen sagen das ausdrücklich. Das IQWiG kommt zu dem Ergebnis, dass geeignete Studien zum Nutzen der professionellen Zahnreinigung im Rahmen einer Parodontitis-Behandlung fehlen (Stand 23. August 2023). Dieselbe Seite ordnet die Leistung auch ein. Zahnarztpraxen empfehlen sie „häufig vor Beginn der eigentlichen Parodontitis-Behandlung“, und sie gehört zu den weiteren Leistungen, die in der Regel selbst bezahlt werden müssen. Der Cochrane-Review von 2018 beantwortet diese Frage nicht, denn Menschen mit schwerer Parodontitis waren dort ausgeschlossen. Der Abschlussbericht des IQWiG zur systematischen Behandlung von Parodontopathien (Stand 5. März 2018) bewertet die professionelle Zahnreinigung nicht. Für die Fragestellung zur strukturierten Nachsorge, also zur instrumentellen Reinigung in regelmäßigen Abständen, verzeichnet er keine randomisierten Studien und nennt eine große Studie mit dreijähriger Nachbeobachtung als potenziell relevant.
- Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Vor- und Nachteile der professionellen Zahnreinigung
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Behandlung einer Parodontitis
- Cochrane Oral Health, systematischer Review zur routinemäßigen Zahnreinigung mit Politur bei Erwachsenen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Abschlussbericht zur systematischen Behandlung von Parodontopathien